Eine Krebserkrankung reißt Menschen oft abrupt aus ihrem bisherigen Leben. Nach Operationen, Chemotherapie oder Bestrahlung bleiben nicht nur körperliche Spuren zurück, sondern auch Unsicherheit, Erschöpfung und die drängende Frage: „Wie geht es jetzt für mich weiter?“ Das Motto des Weltkrebstags 2026 am 4. Februar „Gemeinsam. Einzigartig.“ greift genau diese Situation auf: Jeder Krankheitsverlauf ist anders, und niemand sollte diesen Weg allein gehen müssen. Das AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg nutzt diesen Tag, um auf die Schlüsselrolle der onkologischen Rehabilitation aufmerksam zu machen: Sie bietet eine gezielte medizinische und menschliche Begleitung auf dem Weg von der überstandenen Akuttherapie zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Was dieser Übergang in der Praxis bedeutet, erlebt das Team um Chefarzt Dr. Bolling jeden Tag: „Viele Betroffene erleben nach der Krebsbehandlung einen deutlichen Einbruch“, erklärt Dr. Bolling, Chefarzt der Onkologie im AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg. „Die modernen Therapien sind hochwirksam, aber oft auch sehr belastend: körperlich wie seelisch. Ohne gezielte Unterstützung fällt es vielen schwer, wieder in ihren Alltag oder in den Beruf zurückzufinden.“ 

Im AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg werden Menschen behandelt, die nach einer Krebserkrankung mit komplexen Folgen kämpfen, etwa mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, ausgeprägter Müdigkeit, Atemnot oder Inkontinenz. Hinzu kommen häufig psychische Belastungen wie Angst, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen oder anhaltender Stress. „Unsere Aufgabe ist es, all diese Aspekte ganzheitlich zu betrachten und medizinisch fundiert zu behandeln“, betont Dr. Bolling.

Individuelle Therapie statt Standardprogramm

„Krebs verläuft nie nach Schema F, und genauso wenig darf Rehabilitation nach einem festen Muster ablaufen“, sagt der Chefarzt. In einem interdisziplinären Team werden für jede Rehabilitandin und jeden Rehabilitanden individuelle Therapiepläne entwickelt. Diese orientieren sich an der medizinischen Vorgeschichte, den aktuellen Beschwerden und den persönlichen Zielen der Betroffenen. „Manche möchten wieder arbeitsfähig werden, andere vor allem ihre Selbstständigkeit oder ihre Lebensqualität zurückgewinnen. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen genau dort abzuholen und sie mit fachlicher Erfahrung und klarer medizinischer Orientierung zu begleiten“, erklärt Dr. Bolling.

Ein zentraler Bestandteil der Reha ist es, den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ihre eigenen Ressourcen wieder bewusst zu machen. Durch gezieltes körperliches Training, psychologische Begleitung und strukturierte Tagesabläufe wird ihre Belastbarkeit Schritt für Schritt gesteigert. „Viele sind überrascht, wie viel noch in ihnen steckt. Im geschützten Rahmen der Reha lernen sie, ihrem Körper wieder zu vertrauen und neue Sicherheit zu gewinnen“, so der Chefarzt.

Auch der Austausch mit anderen Betroffenen spielt dabei eine wichtige Rolle. „Zu sehen, wie andere mit ähnlichen Erfahrungen umgehen, und sich gegenseitig zu unterstützen, gibt vielen Menschen neue Zuversicht und Orientierung“, sagt Dr. Bolling.

Rehabilitation als Schlüssel für ein neues Kapitel

Dank des medizinischen Fortschritts überleben heute immer mehr Menschen eine Krebserkrankung. Zugleich wächst damit der Bedarf an qualifizierter Nachsorge und Rehabilitation. Digitale Angebote und neue Nachsorgekonzepte können diesen Weg künftig ergänzen, doch entscheidend bleibt die persönliche, medizinisch fundierte Begleitung.

„Rehabilitation ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Krebsbehandlung“, fasst Dr. Bolling zusammen. „Sie hilft den Menschen, körperlich und seelisch wieder Tritt zu fassen – und gibt ihnen die Sicherheit, ihr Leben nach der Erkrankung wieder aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.“