Neue Therapieoption für Patienten mit schwerer Schlafapnoe im Harz
Für Menschen mit schwerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA) bzw. obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS) gibt es am AMEOS Klinikum Halberstadt eine neue Behandlungsoption: Im März 2026 wurden erstmals zwei Zungenschrittmacher erfolgreich implantiert. Das Klinikum ist damit die einzige Einrichtung im Landkreis Harz, die diesen Eingriff anbietet. Für Betroffene aus der Region gibt es dadurch eine wohnortnahe Alternative zur herkömmlichen Behandlung mit einer Atemmaske (cPAP).
Die obstruktive Schlafapnoe bzw. das obstruktive Schlafapnoesyndrom zählen zu den häufigsten schlafbezogenen Atemstörungen. Dabei erschlafft die Muskulatur im Rachenraum während des Schlafs, wodurch sich die oberen Atemwege verengen oder sogar vollständig verschließen können. Die Folge sind Atemaussetzer, die den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene leiden unter starker Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit. Außerdem steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Standardtherapie erfolgt in der Regel mit einer sogenannten CPAP-Maske, die die Atemwege durch leichten Überdruck offen hält.
„Für viele Betroffene ist die Schlafapnoe eine enorme Belastung, die weit über nächtliches Schnarchen hinausgeht“, erklärt MUDr. Hung Le Thanh, Facharzt für HNO-Heilkunde am AMEOS Klinikum Halberstadt. „Wenn die Therapie mit einer Atemmaske nicht ausreichend funktioniert oder nicht toleriert wird, kann der Zungenschrittmacher eine sehr gute Alternative sein.
Wie der Zungenschrittmacher funktioniert
Der Zungenschrittmacher ist ein implantierbares System zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe, das in einem operativen Eingriff unter Vollnarkose eingesetzt wird. Über mehrere kleine Hautschnitte werden dabei die einzelnen Komponenten implantiert: ein Impulsgeber im Brustbereich, eine Stimulationselektrode am Zungennerv sowie ein Atemsensor zwischen den Rippen. Im späteren Betrieb erkennt das System die Atmung des Patienten und stimuliert während des Schlafs gezielt den Zungennerv. Dadurch wird die Zunge leicht nach vorne bewegt, sodass die oberen Atemwege offen bleiben. Ziel ist es, die nächtlichen Atemaussetzer deutlich zu reduzieren und langfristig eine Therapie ohne Atemmaske zu ermöglichen.
Nachdem der Schrittmacher einige Wochen nach der Operation eingeheilt ist, beginnt die individuelle Anpassungsphase mit der Aktivierung des Systems. Die Stärke der Stimulation wird dabei individuell angepasst und schrittweise eingestellt. Die Bewegungen der Zunge nehmen die Patienten nicht wahr.
Jahrelanger Leidensweg
Einer der ersten Patienten ist Frank B. Er kämpft seit vielen Jahren mit den Folgen seiner Schlafapnoe. „Ich bin eigentlich immer müde und nie richtig ausgeschlafen“, berichtet er. Trotz der Behandlung mit einer Schlafmaske schläft er nur dreieinhalb bis vier Stunden am Stück und wacht anschließend immer wieder auf. Die Erkrankung entwickelte sich für ihn zu einer erheblichen körperlichen und psychischen Belastung.
Entsprechend groß war zunächst die Sorge, auch nach der Operation weiterhin auf die Schlafmaske angewiesen zu sein. Doch bereits wenige Wochen nach der Aktivierung zeigt sich, dass der Zungenschrittmacher zuverlässig arbeitet und er ohne zusätzliche Atemmaske auskommt. Nach einem langjährigen Leidensweg mit dauerhaft gestörtem Schlafrhythmus besteht nun die realistische Aussicht auf eine spürbare Verbesserung der Schlafqualität und der nächtlichen Atmung.
Individuelle Therapie für jeden Patienten
Die Behandlung am AMEOS Klinikum Halberstadt wird immer individuell auf die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten abgestimmt. Bereits bei der Planung der Implantation werden persönliche Bedürfnisse berücksichtigt: So wurde das Implantat auf Wunsch bei Martin H., der leidenschaftlicher Jäger ist, auf der linken Körperseite implantiert, damit es ihn bei der Ausübung seines Hobbys auch in der Einheilungsphase wenig beeinträchtigt.
„Mit den ersten Implantationen haben wir einen wichtigen Schritt für die Versorgung von Schlafapnoe-Patientinnen und -Patienten in der Region gemacht“, sagt Oberarzt Christian Specht. „Die ersten Verläufe stimmen uns sehr optimistisch. Besonders wichtig ist uns die enge Begleitung unserer Patientinnen und Patienten über den gesamten Behandlungsprozess hinweg. Dies beginnt bereits bei der Diagnostik. In enger Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor erfolgt die umfassende schlafmedizinische Abklärung sowie individuelle Therapieplanung der Betroffenen. Die Therapie endet nicht mit der Operation: Ziel ist es, nicht nur einen erfolgreichen Eingriff durchzuführen, sondern unsere Patientinnen und Patienten auf dem Weg zu einem nachhaltig besseren Schlaf und einer höheren Lebensqualität zu begleiten.“
