Für Dr. med. Matthias Engelhardt beginnt jeder Arbeitstag mit demselben Ziel: Patientinnen sollen das AMEOS Klinikum Warendorf gesünder verlassen, als sie gekommen sind. Operiert wird nach einem klaren Grundsatz, so schonend wie möglich. Genau das treibt ihn an.
Seit zwölf Jahren leitet Dr. med. Engelhardt die Klinik für Gynäkologie am AMEOS Klinikum Warendorf „Joseph Zumloh“. In dieser Zeit ist aus der Frauenheilkunde am Standort eine Abteilung mit klarer Handschrift geworden: schonend operieren, mit möglichst kleinen Eingriffen. Dafür wurde er 2025 mit dem German Medical Award ausgezeichnet.
Vom Sprechzimmer des Vaters in den Operationssaal
Dass er einmal im Operationssaal stehen würde, war nicht von vornherein klar. Sein Vater führte als Frauenarzt eine eigene Praxis im nördlichen Ruhrgebiet, die der Sohn hätte übernehmen können. Dr. med. Engelhardt entschied sich anders. Schon als junger Assistenzarzt reizte ihn die Arbeit im Operationssaal, und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Geblieben ist auch der Anspruch, möglichst wenig Spuren zu hinterlassen. Der Chefarzt gehört zu den etwa 150 Operateuren in Deutschland mit der Zertifizierung MIC III, der höchsten Stufe für minimalinvasive Eingriffe. Gemeint sind Operationen, die ohne großen Schnitt auskommen und stattdessen durch winzige Zugänge erfolgen. Für die Zertifizierung zählt beides, wie anspruchsvoll die Eingriffe sind und wie oft er sie durchführt.
Wie sehr sich das Operieren verändert hat, zeigt ein Blick zurück. Als Dr. med. Engelhardt vor 25 Jahren als Arzt im Praktikum anfing, diente die Bauchspiegelung meist nur dazu, überhaupt zu klären, ob ein großer Schnitt nötig war. Heute laufen selbst komplizierte Eingriffe über genau diese Methode, die in der Fachsprache Laparoskopie heißt. Offene Operationen sind in der Gynäkologie am AMEOS Klinikum Warendorf kaum noch nötig. Für die Patientinnen heißt das: Viele dürfen nach zwei Tagen wieder nach Hause, manche brauchen gar keinen stationären Aufenthalt.
Wenn Schmerzen nicht normal sind
Manche Frauen hören jahrelang denselben Satz. Regelschmerzen, das gehöre eben dazu. Dr. med. Engelhardt hält dagegen.
„Früher hieß es, Menstruationsschmerzen gehören zum Frausein dazu und seien normal. Das ist falsch“, sagt er.
Hinter solchen Schmerzen kann eine Endometriose stecken. Dabei wächst Gewebe, das eigentlich die Gebärmutter auskleidet, an Stellen, an die es nicht gehört, und das verursacht oft Schmerzen. Bis das jemand erkennt, vergehen nicht selten Jahre. Der Grund liegt für den Gynäkologen auf der Hand: Über das Krankheitsbild wird zu wenig gesprochen, und nicht jede Praxis ist auf dem neuesten Stand.
Sein Rat bei Verdacht ist, eine zertifizierte Anlaufstelle wie die Endometrioseklinik des AMEOS Klinikums Warendorf aufzusuchen. Solche Einrichtungen müssen einiges nachweisen, spezielle Ausbildungen, ausgewiesene operative Erfahrung, regelmäßige Fortbildung. Das macht die Behandlung verlässlicher, und die Ergebnisse werden laufend überprüft. Wer früh kommt, dem ist oft schon mit Medikamenten geholfen.
Dieselbe schonende Technik öffnet noch eine andere Tür. Bleibt ein Kinderwunsch unerfüllt, lässt sich über einen kleinen Eingriff nachsehen, woran es liegt. Sind die Eileiter durchgängig? Steckt eine Endometriose dahinter? Haben sich Verwachsungen gebildet, also narbige Verbindungen im Bauchraum? Was die Praxen und Kinderwunschkliniken an Untersuchungen leisten, ergänzt der Operationssaal um diesen genauen Blick von innen.
Myome behandeln, ohne die Gebärmutter zu verlieren
Kaum ein Befund kommt häufiger vor als Myome. Jede dritte Frau entwickelt im Lauf ihres Lebens diese gutartigen Muskelknoten in der Gebärmutter. Solange sie nicht stören, müssen sie nur im Blick bleiben, ein Ultraschall ab und zu genügt. Erst wenn sie Beschwerden verursachen, wird behandelt.
Auch dann gilt am AMEOS Klinikum Warendorf der Grundsatz, so viel wie möglich zu erhalten. Welcher Weg infrage kommt, hängt davon ab, wo das Myom sitzt, von der Gebärmutterspiegelung über die Bauchspiegelung bis zur Verödung per Radiofrequenz. Dieses letzte Verfahren trägt den Namen Sonata und kommt ohne Schnitt aus: Per Ultraschall gesteuert, verödet es den Knoten von innen. So lässt sich eine große Operation, bis hin zur Entfernung der Gebärmutter, häufig vermeiden.
Wenn der Beckenboden aus dem Gleichgewicht gerät
Über manche Beschwerden spricht kaum jemand, obwohl sie den Alltag prägen. Die Harninkontinenz gehört dazu, der ungewollte Verlust von Urin. Sie betrifft weit mehr Frauen, als das öffentliche Schweigen vermuten lässt, und sie verschwindet nicht von allein. Bleibt sie unbehandelt, kann sie ernste Folgen nach sich ziehen, von Nierenerkrankungen über sozialen Rückzug bis zu depressiven Verstimmungen.
Die Urogynäkologie, das Fachgebiet rund um Blase und Beckenboden, geht das Problem am AMEOS Klinikum Warendorf in Stufen an. Erst die schonenden, nicht operativen Wege, dann, wenn nötig, der Eingriff, immer abgestimmt auf die einzelne Patientin. Wer nach einer Geburt trotz Rückbildungsgymnastik und Beckenbodentraining keine Ruhe findet, ist in einem Beckenbodenzentrum am besten aufgehoben.
Erst das Gespräch, dann die Operation
Bei allem, was medizinisch möglich ist, vergisst der Chefarzt einen Punkt nie. Ein Termin beim Frauenarzt berührt etwas sehr Persönliches. In seiner Klinik wird in geschützten Räumen untersucht, behutsam, und immer gehört ein erklärendes Gespräch dazu. Angst vor diesem Termin, sagt er, muss niemand haben.
Am Ende führt vieles dorthin zurück, wo für Dr. med. Matthias Engelhardt jeder Tag beginnt, in den Operationssaal. Doch nicht jede Frau, die zu ihm kommt, landet dort. „Nicht alle Patientinnen müssen operiert werden“, sagt der Mediziner. Zuerst das Gespräch, dann die genaue Einschätzung, erst danach eine Empfehlung. Wer Beschwerden hat, sollte sie offen ansprechen und zur Vorsorge gehen. Den nächsten Schritt geht die Klinik für Gynäkologie am AMEOS Klinikum Warendorf dann gemeinsam mit der Patientin, vom ersten Gespräch bis, falls nötig, zur schonenden Operation.
