Als Eva Nießen noch ein Kind war, erkrankte ihre Großmutter an Alzheimer. Sie beobachtete, wie ein vertrauter Mensch sich verändert. Wie Erinnerungen verblassen, Worte wegbleiben, eine ganze Persönlichkeit langsam in eine fremde Stille gleitet. Diese frühe Erfahrung legte den Grundstein für eine Frage, die sie bis heute begleitet: Was macht uns als Menschen eigentlich aus, und wie eng sind Körper und Psyche miteinander verwoben?
Heute ist Frau Nießen Leitende Psychotherapeutin am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen, einer Position, die sie nicht zufällig im Kreis Lippe angetreten hat, sondern bewusst. Genau hier hatte ihr beruflicher Weg vor Jahren begonnen, mit Praktika und den ersten klinischen Erfahrungen während der Ausbildung. Andere Stationen folgten und weiteten den Horizont, doch die Verbundenheit zur Region ließ sie nie ganz los. „Der Kreis Lippe und die Menschen hier haben für mich eine besondere Ausstrahlung“, sagt Frau Nießen. „Bodenständig, offen und herzlich.“ Dass sie heute leitend genau dort tätig ist, wo ihr eigener beruflicher Weg begann, beschreibt sie als etwas zutiefst Erfüllendes.
Was hinter dem Symptom steckt
Fachlich liegt der Schwerpunkt von Eva Nießen in der Verhaltenstherapie, insbesondere in Ansätzen der sogenannten dritten Welle. Darunter versteht man Weiterentwicklungen klassischer Verhaltenstherapie, die Achtsamkeit, Akzeptanz und die Qualität innerer Erfahrungen stärker in den Blick nehmen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch klärungsorientierte Arbeit, die danach fragt, welche persönlichen Bedürfnisse und inneren Muster hinter dem stehen, was jemanden belastet. Wie jemand behandelt wird, hängt dabei nicht allein von der Methode ab. Einer der stärksten Wirkfaktoren in der Psychotherapie ist laut Studienlage die Qualität der Beziehung zwischen Behandelnden und ihren Patientinnen und Patienten. Genau dort setzt Frau Nießen an, bewusst integrativ und immer mit dem ganzen Menschen im Blick.
Was Patientinnen und Patienten am ersten Tag von ihr hören sollen, fasst die Psychologin in einem einzigen Satz zusammen: dass es ein großer und mutiger Schritt sei, sich Unterstützung zu suchen. Mehr braucht es zu Beginn nicht.
Warum so viele zu lange warten
Trotz wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit schämen sich viele Menschen noch immer dafür, psychisch krank zu sein, und das hat Folgen. Viele Betroffene zögern lange, bevor sie professionelle Hilfe suchen, weil sie fürchten, nicht ernst genommen zu werden, oder weil der Eindruck überwiegt, dass man mit solchen Dingen allein fertig werden sollte. Dabei nehmen psychische Belastungen in der Gesellschaft seit Jahren spürbar zu, und die daraus entstehenden Krankheitsbilder sind weder Randerscheinung noch abstrakte Statistik, sondern gelebte Realität in Familien, Betrieben und Nachbarschaften.
Ihr Anliegen geht deshalb über die Klinik hinaus. Eva Nießen wünscht sich, dass psychische Gesundheit gesellschaftlich genauso selbstverständlich mitgedacht wird wie körperliche, und dass offen darüber gesprochen werden darf. Auf die Frage, welche Botschaft sie der Region mitgeben würde, antwortet sie ohne langes Zögern: „Wir sollten miteinander reden.“
Ein Team, das sich gegenseitig trägt
Wer täglich mit belastenden Lebensgeschichten arbeitet, braucht selbst einen stabilen Rahmen. Eva Nießen setzt deshalb auf Strukturen, die das Team am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen langfristig schützen und zusammenhalten: regelmäßige Intervision, kollegiale Fallberatung, ein internes Mentoringkonzept und gemeinsame Teamtage, die bewusst Raum für Entlastung außerhalb des Klinikalltags schaffen. Verantwortung wird dabei ausgewogen verteilt, damit sich niemand allein gelassen fühlt, und auch Frau Nießen selbst holt sich regelmäßig professionelle Begleitung und Feedback von außen, weil sie davon überzeugt ist, dass nur wer auf sich achtet, langfristig für andere da sein kann.
Führung versteht die Psychologin als Verbindung aus fachlichem Anspruch, Empathie und einem ehrlichen Miteinander, in dem ihr rheinisches Naturell durchaus für humorvolle Momente sorgt. Ebenso zentral ist für sie die Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten, Sozialdienst und Pflege am AMEOS Klinikum, denn eine nachhaltige Besserung, davon ist sie überzeugt, kann nur durch starke Kooperation angestossen und getragen werden.
Was Bad Salzuflen als Kurort einzigartig macht
Wer sich für eine stationäre Behandlung entscheidet, trifft eine Entscheidung mit Gewicht, und der Ort, an dem diese Behandlung stattfindet, spielt eine größere Rolle, als man vielleicht zunächst denkt. Am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen erwartet Patientinnen und Patienten ein engagiertes Team mit dem Anspruch, Versorgung aktiv weiterzudenken und nah an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen in der Region auszurichten. Aktuell entsteht dort ein neuer Schwerpunkt für traumatisierte und bindungsverletzte Menschen, ein Thema, das Eva Nießen persönlich am Herzen liegt und das sie gemeinsam mit der neuen Chefärztin Dr. Isabel Englert, selbst Traumatherapeutin, fachlich wie menschlich eng begleitet.
Bad Salzuflen hat etwas, das sich nicht planen lässt. Die Ruhe, die Natur und die frische Luft tun etwas mit einem, das keine Therapiestunde ersetzen kann. Ihren persönlichen Tipp für den Alltag hat Eva Nießen schnell parat: rausgehen, in die Natur. Bewusster Kontakt zur Umgebung könne in einer reizüberfluteten Welt erstaunlich regulierend wirken und dabei helfen, wieder mehr bei sich selbst anzukommen.
Hinschauen statt verschließen
Ein Satz des Psychotherapeuten Irvin D. Yalom begleitet Frau Nießen durch ihre Arbeit: Der Schmerz ist da. Wenn wir ihm an einer Stelle die Tür verschließen, sucht er sich einen anderen Weg, wieder hereinzukommen. Genau das ist ihr Antrieb als Leitende Psychotherapeutin, nicht wegschauen, sondern da sein für Menschen, die sich Hilfe suchen. Am AMEOS Klinikum Bad Salzuflen haben sie dafür den richtigen Ort gefunden.
